Joschka Fischer: Ein Plädoyer für Europas Sicherheit und Identität

Joschka Fischer warnt vor dem möglichen Ende der NATO und fordert ein Umdenken in Europas Sicherheitsarchitektur sowie einen entschlossenen Kampf gegen nationalistische Strömungen.

Joschka Fischer: Ein Plädoyer für Europas Sicherheit und Identität

September 11, 2026

Sebastian Krämer

Die Zukunft der NATO in Frage gestellt

In einem aufsehenerregenden Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ äußerte sich der ehemalige Außenminister Joschka Fischer besorgt über die Zukunft der NATO. Fischer, der als Vizekanzler unter den Grünen diente, prognostiziert ein mögliches Ende des transatlantischen Sicherheitsbündnisses. „Ich gehe nicht davon aus, dass die NATO überlebt“, erklärte er und fügte hinzu, dass es ein großer Fehler wäre, das militärische Bündnis für Europa aufzugeben.

Fischer betont die Notwendigkeit eines Umdenkens in Bezug auf die europäische Sicherheitsarchitektur. Die Ära der amerikanischen Dominanz im NATO-Raum sei vorbei, und Europa müsse lernen, sich selbst zu verteidigen. „Wenn Europa stärker wird – sowohl machtpolitisch als auch militärisch –, wird sich auch das Verhältnis zu den USA verändern“, so Fischer. Diese Einschätzung ist besonders relevant angesichts des Vertrauensverlusts in die transatlantischen Beziehungen während der Präsidentschaft von Donald Trump.

Der frühere Minister äußerte sich auch kritisch zur politischen Landschaft in Deutschland, insbesondere zur AfD. Für ihn stellt diese Partei mehr als nur eine politische Herausforderung dar; sie repräsentiert eine emotionale Auseinandersetzung mit einer Vergangenheit, die er als gefährlich empfindet. „Soll denn dieser ganze Müll wiederkommen?“ fragte er rhetorisch und warnte vor einem Rückfall in ein engstirniges und nationalistisch geprägtes Deutschland.

Fischer sieht den Kampf um die Identität Deutschlands als entscheidend an. In Bezug auf Sachsen-Anhalt stellte er fest: „Bleiben wir ein europäisches, westorientiertes Land?“ Die Antwort darauf hänge von dem Engagement ab, mit dem dieser Kampf geführt werde. Er selbst sei bereit, nicht zurückzuweichen – auch unter schwierigsten Bedingungen.

Auch im Hinblick auf die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in Frankreich äußert Fischer Besorgnis. Er sieht dunkle Wolken am Horizont für das europäische Projekt und warnt davor, dass grundlegende Werte unserer Demokratie gefährdet sind. Trotz aller Herausforderungen ruft er dazu auf, an den gemeinsamen Sicherheitsanstrengungen festzuhalten und sich nicht von populistischen Strömungen ablenken zu lassen.

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