Ein neuer Rekord für den Mount Everest
Am 10. Mai 2023, genau 30 Jahre nach einer der schlimmsten Katastrophen in der Geschichte des Bergsteigens, hat Nepal eine Rekordzahl an Genehmigungen für die Besteigung des Mount Everest erteilt. In einem bemerkenswerten Schritt meldete das Tourismus- und Kulturministerium in Kathmandu, dass bis zu diesem Wochenende 492 Kletterer aus 55 Ländern für die Frühjahrssaison zugelassen wurden.
Die Schatten der Vergangenheit
Der tragische Vorfall von 1996, bei dem acht Bergsteiger während eines Schneesturms ihr Leben verloren, hat die Wahrnehmung des Everest-Tourismus nachhaltig geprägt. Die damaligen Ereignisse führten zu einer kritischen Neubewertung der Sicherheitsstandards und Praktiken im Alpinismus. Trotz dieser düsteren Geschichte zeigt sich nun ein paradoxer Trend: Die Anzahl der Kletterer erreicht neue Höhen.
Laut Himal Gautam, Sprecher des Tourismusministeriums, ist dies ein „historischer Moment“ für das Land. Der vorherige Rekord lag bei 478 Genehmigungen im Jahr 2023. Diese Entwicklung kommt trotz politischer Unruhen und Proteste in Nepal sowie globaler Krisen wie dem Krieg im Nahen Osten.
Einfluss von außen
Ein weiterer Faktor hinter diesem Anstieg könnte die Schließung des tibetischen Zugangs zum Everest durch China sein. Dies hat viele Kletterer dazu veranlasst, sich auf die nepalesische Seite zu konzentrieren. Besonders auffällig ist die hohe Zahl chinesischer Anmeldungen in diesem Jahr, gefolgt von Kletterern aus den USA und Indien.
Trotz der positiven Nachrichten gibt es auch Herausforderungen zu bewältigen. Die Route zum Gipfel war aufgrund eines Séracs im Khumbu-Eisbruch zunächst blockiert, was zu Verzögerungen führte. Spezialisten und Sherpa-Bergsteiger arbeiteten jedoch unermüdlich daran, die Aufstiegsroute bis zum Camp IV auf über 7900 Meter Höhe freizumachen.
Finanzielle Auswirkungen auf Nepal
Die Genehmigungen bringen Nepal nicht nur Ruhm ein; sie sind auch eine wichtige Einnahmequelle für das Land. Bisher haben diese Zulassungen mehr als 7,1 Millionen Dollar (ca. 6 Millionen Euro) in die Staatskasse gespült. Im vergangenen Jahr wurden die Gebühren für eine Besteigung über die Südroute von 11.000 auf 15.000 Dollar erhöht.
Trotz aller Sicherheitsvorkehrungen bleibt das Risiko eines Staus am Gipfel bestehen – ein Problem, das bereits bei früheren Expeditionen beobachtet wurde und durch den hohen Andrang noch verstärkt werden könnte. Die Bergsteiger müssen sich darauf einstellen, dass sie möglicherweise länger als geplant warten müssen, um ihren Traum vom Gipfel zu verwirklichen.


