Theater als Politisches Schlachtfeld: Lessing-Tage in Hamburg im Zeichen des Widerstands

Die Lessing-Tage in Hamburg bieten mit dem "Prozess gegen Deutschland" eine Plattform für kontroverse Diskussionen über Demokratie und Populismus.

Theater als Politisches Schlachtfeld: Lessing-Tage in Hamburg im Zeichen des Widerstands

Februar 13, 2026

Sebastian Krämer

Ein Festival der Kontroversen

Die Lessing-Tage am Hamburger Thalia-Theater haben sich zu einem Schauplatz für gesellschaftliche Auseinandersetzungen entwickelt. Inmitten von selbstgebauten Betten und improvisierten Wohnräumen im Foyer, wo Kunststudenten aus Düsseldorf campieren, wird ein außergewöhnliches Theaterstück aufgeführt, das die Grenzen zwischen Kunst und Politik verschwimmen lässt. Unter dem Titel „Prozess gegen Deutschland“ inszeniert der Schweizer Regisseur Milo Rau einen dramatischen Prozess gegen die AfD, der nicht nur die Zuschauer fesselt, sondern auch zum Nachdenken anregt.

Ein Aufruf zur Wachsamkeit

Matthias Lilienthal, der Leiter des Festivals und eine prägende Figur in der deutschen Theaterszene, hat das Thema „Postpopulismus“ gewählt. Er warnt vor den Gefahren einer möglichen Machtübernahme durch rechte Kräfte und sieht in den aktuellen politischen Entwicklungen eine ernsthafte Bedrohung für die Demokratie. „Ich will diesen Misthaufen nicht an der Macht haben“, äußert er sich klar gegenüber den Medien.

Der Höhepunkt des Festivals ist zweifellos der dreitägige Prozess unter Raus Leitung. Hier stehen keine Schauspieler auf der Bühne, sondern Experten aus verschiedenen Bereichen – von ehemaligen Politikern bis hin zu Journalisten – die ihre Perspektiven zu einem brisanten Thema teilen. Die zentrale Frage lautet: Ist ein Verbot der AfD rechtlich möglich? Diese Diskussion wird von prominenten Zeugen begleitet, darunter Frauke Petry und Historiker Volker Weiß.

Ein Spiegel unserer Gesellschaft

Raus Inszenierung ist mehr als nur ein Theaterstück; sie spiegelt die Ängste und Hoffnungen einer Gesellschaft wider, die sich in einem ständigen Kampf um Werte und Identität befindet. Die Zuschauer sind eingeladen, aktiv teilzunehmen und ihre Meinung kundzutun – ein Konzept, das sowohl faszinierend als auch herausfordernd ist.

Die Lessing-Tage sind jedoch nicht ohne Kontroversen geblieben. Bei einer vorherigen Aufführung kam es zu tumultartigen Szenen, als das Publikum mit Sprechchören gegen Faschismus reagierte. Solche Reaktionen zeigen deutlich, wie tiefgreifend die Themen sind, die hier behandelt werden. Der Festivalleiter Lilienthal sieht diese Auseinandersetzungen als notwendigen Teil des künstlerischen Prozesses an: „Wir müssen uns diesen Fragen stellen.“

Blick in die Zukunft

Mit dem bevorstehenden Wechsel von Lilienthal zur Berliner Volksbühne könnte dies erst der Anfang eines neuen Kapitels im deutschen Theater sein. Die Lessing-Tage könnten somit nicht nur einen Ausblick auf kommende politische Kämpfe geben, sondern auch auf eine neue Ära des Theaters hinweisen – eines Theaters, das mutig Stellung bezieht und den Dialog über drängende gesellschaftliche Fragen fördert.

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