Ein Aufschrei aus Rügen: Stefan Kerth bricht mit der SPD
In einem bemerkenswerten Schritt hat Stefan Kerth, der Landrat des Landkreises Vorpommern-Rügen, seine frühere Partei, die SPD, scharf kritisiert und damit eine Debatte über die Migrationspolitik in Deutschland angestoßen. In einem Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ äußerte er sich vor den bevorstehenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und bezeichnete die aktuelle Migrationspolitik als „Indikator für den Grad des Wahnsinns“. Diese Aussage kommt nicht von ungefähr; Kerth hat im Jahr 2023 nach 22 Jahren Mitgliedschaft seine Parteizugehörigkeit zur SPD beendet.
Kerths Kritik richtet sich nicht nur gegen die Politik seiner ehemaligen Partei, sondern auch gegen das gesamte politische System. Er argumentiert, dass anstelle einer konstruktiven Auseinandersetzung mit den Herausforderungen der Migration lieber über den Umgang mit der AfD diskutiert werde. „In Dänemark wird von der Sozialdemokratie aktiv an Themen gearbeitet, die hierzulande oft der AfD überlassen werden“, so Kerth. Er fordert eine ähnliche Herangehensweise in Deutschland und fragt sich, warum die SPD nicht bereit sei, diese Probleme anzugehen.
Besonders kontrovers ist Kerths Offenheit gegenüber möglichen Koalitionen mit der AfD. Er sieht hierin eine Chance für einen „neuen Realismus im linken politischen Lager“ und hält die bisherige Strategie der politischen Abgrenzung für gescheitert. Auf die Frage nach der Brandmauer zur AfD antwortete er klar: „Auf jeden Fall stärkt sie diese Partei.“ Seiner Meinung nach liefern andere Parteien durch ihr Verhalten kostenlose Wahlkampfhilfe an die AfD.
Kerth äußert sich auch besorgt über den Umgang mit Wählern der AfD. Er warnt davor, diese Menschen zu delegitimieren und spricht von einer Spaltung zwischen Bürgern erster und zweiter Klasse. „Wir sagen diesen Menschen: Du bist Staatsbürger, aber so richtig auch wieder nicht“, erklärt er und betont, dass es ein gefährliches Klischee sei zu glauben, dass nur einkommensschwache oder bildungsferne Menschen AfD wählen.
Trotz rückläufiger Migrationszahlen sieht Kerth keinen Grund für eine Rückkehr zur SPD. Seine Einschätzung ist klar: „Real hat sich nichts geändert.“ Die Partei sei weiterhin nicht bereit, grundlegende Änderungen in ihrer Migrationspolitik vorzunehmen.
Trotz seines Austritts aus der SPD bleibt Stefan Kerth bei seinen Wählern beliebt. Bei den letzten Landratswahlen im Mai 2025 wurde er deutlich im Amt bestätigt – ein Zeichen dafür, dass viele Bürger seine Ansichten teilen oder zumindest seine Kritik an den etablierten Parteien unterstützen.


